Im Würgegriff der Bürokratie

Ein paar neue Erlebnisse mit der ID Austria und was das Finanzministerium von Markus Marterbauer damit zu tun hat.

von Christian Nusser

18.10.2026 00:15 Uhr

Die vergangene Woche zeigte: Es gibt auch ein Leben abseits der SPÖ. Es ist vielleicht nicht ganz so bunt wie bei den Roten, aber es schlägt sich wacker. Das liegt auch an Österreichs Bürokratie, die ungeheuer kreativ ist. Wenn wir überall so ein Engagement an den Tag legen würden wie in diesem Bereich, würden die Steuern nur so sprudeln. Der Finanzminister müsste uns anbetteln, dass wir ihn nicht mit Geld zuschütten, er wüsste gar nicht mehr wohin damit.

Am vergangenen Sonntag saß Johannes Kopf, Leiter des Arbeitsmarktservice (AMS), in der Pressestunde und redete über die hohen Kosten für die Pensionen. „Irgendwann schlägt Mathematik Ideologie“, sagte er. Das mag sein, aber bevor die Mathematik die Ideologie erschlagen kann, muss sie erst einmal an der Realität vorbei. Und die hat einen breiten Rücken.

Kopfnüsse | S2:EP109

Kopfnüsse 18.10.2026: Im Würgegriff der Bürokratie

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Ich habe in den vergangenen Monaten ein paar diesbezügliche Aufstiegsversuche unternommen, Gipfelsiege habe ich dabei keine gefeiert, soviel kann ich verraten. Bis Jahresende möchte ich Sie noch auf ein paar Touren mitnehmen, verehrte Kopfnüsse-Leserschaft, ich hoffe, Sie sind schwindelfrei. Die Bürokratie kannst du nicht bezwingen, das weiß ich jetzt. Es ist so, als würdest du atemlos auf dem Mount Everest stehen und bemerken: Hoppla, da hinten ist noch ein Gupf.

Die Realität, die stärker ist als Mathematik und Ideologie zusammen, äußerte sich etwa so: In der Wiener Innenstadt machte jüngst ein Modegeschäft zu. Es gab von Seiten der Betreiberfamilie wenig Interesse an einer Weiterführung, ein gutes Angebot auf Ablöse flatterte bei der Tür herein und flugs war der Laden Geschichte. Das ist für Kunden betrüblich, für die Angestellten aber war es noch betrüblicher, sie mussten sich eine neue Beschäftigung suchen. Es gibt momentan einfachere Jobs.

Otto Normalverbraucher, nennen wir ihn einfach so, ist bald 64 Jahre alt, es fehlt ihm ungefähr ein Jahr auf die reguläre Pension. Da der Verkäufer nun ohne Arbeit dastand, ging er zum AMS, um sich zu erkunden, was das Leben für ihn noch so bereithält. Beruflich offenkundig nicht viel. Das AMS verblüffte ihn mit der Aussage, dass man recht wenig für ihn tun könne, er hätte aber ohnehin die Möglichkeit, schon in Pension zu gehen. Vermittelbar sei er nicht mehr.

Eva Manhart, Kronen Zeitung Markus Materbauer steht vor einem Spiegel

Die Kappe der guten Hoffnung für die SPÖ

Otto Normalverbraucher hat inzwischen wieder einen Job, er hat sich den Arbeitsplatz selbst organisiert. Der neue Dienstgeber freut sich über ihn, weil er sein Handwerk gut beherrscht. Ich habe keine Zweifel an der Schilderung, aber der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass der Vorgang vom AMS, von dem ich einen professionellen Eindruck habe, bestritten wird. Man führe ungeachtet des Alters und sogar für Menschen in Pension Vermittlungsarbeiten durch, heißt es.

Vielleicht war auch alles ein großes Missverständnis. Aber an solche Erzählungen muss ich denken, wenn wieder von einem höheren Antrittsalter für die Pension die Rede ist. Ich verstehe das Problem und natürlich weiß jeder im Land, dass hier etwas passieren muss. Aber lassen wir einmal die Mathematik und die Ideologie beiseite, denn die Realität schaut ja so aus: Wer heute das 50. Lebensjahr durchschritten hat, betritt eine Todeszone. Er ist ab diesem Zeitpunkt den Gezeiten ausgeliefert. Wenn ihn sein Arbeitgeber aus der Umlaufbahn schießt, warten am Wegesrand keine Scouts im Dutzend, um ihn mit offenen Armen zu empfangen. Da beginnt das Leben neu, ohne neu zu beginnen.

Solange das nicht gelöst ist, tritt sich jede Regierung, die das Thema Pensionen anpackt, einen Schiefer ein. Die Debatte über das richtige Antrittsalter wird halt von sehr vielen Leute geführt, für die 70 das neue 40 ist, weil der Golfschwung weiter geschmeidig läuft. Für sie stellt es kein Problem dar, mit 67 zu Mittag im Aufzug in die Kantine zu fahren. Mit 67 allerdings ohne Aufzug aufs Dach zu kommen, um dort ein paar Schindeln auszuwechseln, schaut bestenfalls in Bergdoktor-Folgen schneidig aus.

Helmut Graf FPÖ-Abgeordneter Albert Royer hält den Grünen Bericht in der Hand, im Hintergrund Umweltminister Norbert Totschnig

Hier sehen Sie den Norbert Totschnig …

Helmut Graf FPÖ-Abgeordneter Albert Royer hält den Grünen Bericht in der Hand, im Hintergrund Umweltminister Norbert Totschnig

… und jetzt ist er weg …

Helmut Graf Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig macht eine Grimasse

… sehr witzig

Diese Woche war ich bei Markus Marterbauer, es hat sich so ergeben. Man kann sich mit dem Finanzminister gut unterhalten, auch wenn man anderer Meinung ist oder gar nicht weiß, ob sich eine andere Meinung überhaupt auszahlt. Das ist selten geworden, weil sich das politische Tagesgeschäft mehr zu einer Aneinanderreihung von Verkaufsgesprächen entwickelt hat, zu Kaffeefahrten ohne Raumgewinn. Marterbauer erweckt dagegen nicht den Eindruck, dass er jemandem neue Schuhsohlen andrehen will, selbst wenn man sein Büro mit neuen Schuhsohlen verlässt.

Der Unterschied war auch am Samstag zu bemerken, als sich die Regierung zu etwas traf, für das sich zunächst kein richtiger Name finden wollte, schließlich wurde es Arbeitssitzung getauft. In neun Stunden konnte eine Einigung über eine Einigung erzielt werden, über die man sich schon vorher einig war. Ein „Zukunftsdepot“ für Kinder kommt, eine neue Form des Sumsi-Sparbuchs. Die Unis erhalten gleich viel Geld wie bisher, was wegen der Inflation weniger ist. Das Medienpaket wurde durchgewunken. Das ist nicht nichts, aber die Beschlüsse werden in den Umfragen wohl keine Völkerwanderung auslösen. Trotzdem war es schön zu sehen, dass sich die Koalition über das Ergebnis freute.

Vielleicht kommt mit der Kappe der Hoffnung ab Jänner mehr Schwung rein. Markus Marterbauer gab in den vergangenen Tagen Interviews in Serie. Er brachte darin seine für ihn relevanten Punkte an, beim Rest blieb er vage. Ob er Parteichef werden will? Ob Babler Minister bleibt? Ob er Spitzenkandidat bei der nächsten Wahl sein wird? Es gab auf viele Fragen keine Antwort, manche Antwort ließ sogar viele Fragen offen. Sagen wir einmal so: Auf der Diplomatischen Akademie hätte Marterbauer locker zwei Klassen überspringen können.

Helmut Graf Alexander Pröll und Elisabeth Zehetner haben intensiven Blickkontakt

Auf Augenhöhe

Was auffiel: Es ist schon erstaunlich, wie schnell Andreas Babler aus dem öffentlichen Leben verschwunden ist, vor allem aus dem öffentlichen Leben seiner Partei. Viele, die ihn eben noch als unverzichtbar für das Wohl des Landes angesehen haben, erwähnen ihn nun mit keiner Silbe mehr. Sein Nachfolger, der noch gar nicht wirklich im Amt ist, wird dagegen mit Lorbeeren umkränzt, auch viele Vorschusslorbeeren sind darunter.

Für Marterbauer stellt das eine Gefahr dar. Die Kappe der guten Hoffnung wird sich vor allem von seinen leidenschaftlichsten Unterstützern schützen müssen, die mit großer Geschmeidigkeit von Babler zu ihrem neuen Idol gewechselt sind. Ihr Wunderwuzzi, der kein Wunderwuzzi sein will, soll jetzt das Budget, die Regierung, die SPÖ retten und nebenbei auch das Land vor der FPÖ bewahren. Das scheint mir keine leichte Aufgabe für einen Mann zu sein, der an einer schweren Erkrankung leidet, selbst wenn er sehr vital wirkt.

Diese Vitalität möchte der 61-Jährige offenkundig nur auf Zeit in die Politik einbringen. 2030 sehe er sich „auf vielen Bergen und im Wald Bücher lesend“, sagte er. Da weder das Finanzministerium noch die Löwelstraße als Arbeitsplatz auch nur eines dieser beiden Kriterien erfüllt, muss sich die SPÖ zeitnah mit einer Frage beschäftigen, die sie im Moment penibel verdrängt: Wer ist unsere Zukunftshoffnung nach Markus Marterbauer? Sie könnte sich dem Problem mit einer Kombination aus Mathematik und Ideologie nähern.

Helmut Graf Bundeskanzler Christian Stocker, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Peter Hanke und Staatssekretär Josef Schellhorn mit ÖBB-CFO Manuela Waldner und Verbund-CEO Michael Strugl bei der Unterzeichnung der Deklaration „Made in Europe“

Wo ist der Stocker? …

Helmut Graf Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer am Rande der Unterzeichnung der Deklaration „Made in Europe“

… Ah, da ist er

Das Bundesministerium für Finanzen von Markus Marterbauer hat 11.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 800 davon beschäftigen sich mit Betrugsbekämpfung, die Finanzpolizei und die Steuerfahndung gehören dazu. Max Mustermann kennt inzwischen ein paar davon. Der Wiener hatte im vergangenen Jahr nämlich recht viel mit Ämtern zu tun, auch mit dem Finanzministerium. Mehr jedenfalls als ihm lieb war.

Max Mustermann, der selbstredend nicht Max Mustermann heißt, hat in den letzten 11 Monaten nicht weniger als 31 Schreiben von Behörden oder behördenartigen Institutionen erhalten, einige mit unverhohlenen Drohungen. Er hat sich die Finger wund telefoniert und serienweise E-Mails geschrieben. Sich freigenommen, um Ämter aufzusuchen und auf Polizei-Kommissariate zu dackeln. Er ist bei der Wirtschaftskammer gegen Betonwände gerannt. Das alles, nur um zu beweisen, dass er er selbst ist und nicht wer anderer. Darum geht es in der folgenden Schilderung, um nicht mehr und nicht weniger.

Ich erzähle das deshalb, weil so etwas jedem im Land passieren kann. Ich habe über die Erlebnisse von Max Mustermann schon zweimal geschrieben, zuletzt vor etwas mehr als einem halben Jahr. Damals war ich der naiven Ansicht, dass die Geschehnisse ihr Ende finden würden, aber dem war nicht so. Im Gegenteil, es langte sogar ein „Vollstreckungsauftrag“ ein. Max Mustermann wurde darin befohlen, unverzüglich 3.031 Euro zu zahlen, sonst werde seine Wohnung gestürmt und alles eingepackt, was sich zu Geld machen ließe. Inklusive dem, was er am Leib trage. Und das vom Finanzamt.

Der Vorgang hat mit der ID Austria zu tun, die ich grundsätzlich schätze, weil sie ebenfalls Mathematik vor Ideologie stellt. Sie verfügt aber über eine gefährliche Sicherheitslücke. Es kann sich jede Person, auch aus dem Ausland, an jeder beliebigen Wohnadresse in Österreich anmelden, dafür muss kein Nachweis erbracht werden. Am Amt schon, da muss man eine Bescheinigung des Quartiergebers vorlegen, im digitalen Raum nicht. Ich kann mich auch bei Herbert Kickl daheim melden und als Quartiergeber Schlumpf angeben. Auch blau, aber anders.

Helmut Graf Dagmar Belakowitsch spricht im Nationalrat mit sehr viel Mimik

Bei Dagmar Belakowitsch stellt sich die Frage …

Helmut Graf Dagmar Belakowitsch spricht im Nationalrat mit sehr viel Mimik

… ist das noch eine Parlaments-Rede …

Helmut Graf Dagmar Belakowitsch spricht im Nationalrat mit sehr viel Mimik

… oder eher schon ein Workout? …

Helmut Graf Dagmar Belakowitsch geht im Nationalrat an Sepp Schellhorn und Gerhard Karner vorbei

… Na bumm!

Es ist natürlich nicht legal, ein Digital-Schlumpf zu sein, aber das spielt für die Opfer dieser Machenschaften keine Rolle. Sie leiden. Max Mustermann war im Dezember 2025 in eine neue Wohnung übersiedelt. Was er nicht wusste: Mit ihm zogen drei weitere Personen ein, die er nicht kannte und die er noch nie im Leben gesehen hat. Alle drei hatten sich ohne sein Wissen illegal über die ID Austria an der Adresse angemeldet, zum Teil als das Gebäude noch nicht einmal fertig gebaut war.

Der Witz ohne Pointe dabei ist: Von einem solchen Vorgang wird in Österreich niemand informiert. Max Mustermann erfuhr als Mieter nichts von den drei U-Booten, aber auch dem Eigentümer der Wohnung wurde mit keinem Sterbenswörtchen mitgeteilt, dass sich drei wildfremde Menschen virtuell in seinen Räumlichkeiten tummeln. Sie stammten aus Tschechien und der Slowakei und meldeten teils auch Firmen unter der Adresse an. Die Wirtschaftskammer Wien setzte das in freudige Erregung. Immerhin!

Max Mustermann fand das nur heraus, weil er plötzlich seltsame Post bekam. Die OBS forderte den ORF-Beitrag ein. Die Wirtschaftskammer Wien schrieb ihm eine Grundumlage vor. Die Polizei lud ihn für eine Aussage vor. Die Sozialversicherung der Selbständigen mahnte SVS-Beiträge ein. Das Finanzamt drängte auf die Umsatzsteuer. Das Gericht schickte eine Ladung in einem Ermittlungsverfahren, Rechnungen trudelten ein. Es ging munter dahin.

Die Schriftstücke waren natürlich nicht auf Max Mustermann ausgestellt, sondern auf den Namen der drei U-Boote aus den Nachbarländern. Aber es war seine Adresse angeführt und mit der Zeit änderte sich die Tonalität. Max Mustermann wurde angedroht, man werde an seiner Adresse zwangsweise Inkasso-Tätigkeiten entfalten. Klärende Telefonate liefen ins Leere. Die OBS nahm den Hinweis, dass Herr Mustermann nicht ihr Ziel-1-Gebiet sei, dankbar auf, um ein paar Tage später erneut eine Mahnung zu schicken.

Aber es kam Bewegung in die Angelegenheit, alles schien sich im Frühjahr zum Guten zu wenden. Das Meldeamt strich die drei U-Boote aus dem Register, das Finanzamt Österreich setzte die Unternehmen der Meldetrickser offiziell auf seine Liste der Scheinfirmen. Doch der Firmenschein trog, alles kam noch schlimmer.

Helmut Graf Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl mit Sozialministerin Korinna Schumann

Wennst irgendwas brauchst, Korinna …

Helmut Graf Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl mit Sozialministerin Korinna Schumann

… erzähl’s wem anderen

Am 3. Juni fand Max Mustermann ein Schreiben in seinem Postfach. Es war unverschlossen und nicht frankiert, es musste also persönlich abgegeben worden sein. Das Kuvert trug den Aufdruck „Bundesministerium Finanzen“, gleichzeitig hatte jemand handschriftlich das Wort „wichtig“ in Blockbuchstaben auf die Rückseite geschrieben und ihm durch drei Rufzeichen eine höhere Bedeutsamkeit zugewiesen.

Das Schreiben selbst trug den Titel „Vollstreckungsauftrag“ und wies für ein amtliches Schriftstück ungewöhnliche Merkmale auf, etwa allerlei handschriftliche Ergänzungen.  Am Kopf eine hingekritzelte Telefonnummer. Neben der Adresszeile wurde eine Frist gesetzt. Mehrere Zeilen waren mit einem Kuli unterstrichen und mit Erläuterungen versehen worden. Die geforderte Summe wurde im Text ausgestrichen und – ebenfalls handschriftlich – von 2.990 Euro auf 3.031 Euro erhöht. Nach einem offiziellen Schreiben sah das nicht aus, eher nach einem Jux. Aber wie sich später herausstellen sollte, war der Brief keine Tollerei, sondern tatsächlich echt.

Der Inhalt hatte es in sich. Das Finanzamt Österreich kündigte „Vollstreckungsmaßnahmen“ an. Dabei sollte auf „bewegliche Sachen jeder Art“, Sparbücher oder Bargeld zugegriffen werden. Die Behörde sah sich dazu befugt, „die Wohnung des Abgabenschuldners, dessen Behältnisse und, wenn nötig, selbst die von ihm getragenen Kleider zu durchsuchen.“ Man werde notfalls zwangsweise in die Wohnung eindringen, um dort auch „verschlossene Zimmertüren und verschlossene Behältnisse“ öffnen zu lassen.

Max Mustermann hatte mit der Angelegenheit immer noch nichts zu tun, er kam unschuldig zum Handkuss. Sein Name stand auch nicht am Briefkopf, sondern der des U-Bootes. Aber Max Mustermann lebt in der als Adresse angeführten Wohnung. Er musste also jederzeit damit rechnen, dass jemand bei ihm klopft und ihn abklopft. Er musste auch damit rechnen, dass einer der drei U-Boote einen Schlüsseldienst holt und sich die Wohnung, in der er nicht wohnt, aufsperren lässt. Er konnte ja den digitalen Meldezettel vorweisen. Falsch, aber wahr.

Helmut Graf Innenminister Gerhard Karner pirscht sich an Staatssekretärin Michaela Schmidt heran

Frau Kollegin, darf ich Dir aus dem Mantel helfen? …

Helmut Graf Innenminister Gerhard Karner umarmt Staatssekretärin Michaela Schmidt

… ich weiß eh, dass Du keinen anhast …

Helmut Graf Justizministerin Anna Sporrer übergibt Staatssekretärin Michaela Schmidt ein Sackerl mit Schokolade

… ich glaub‘ er ist weg, da hast eine Schokolade

Schlichte Gemüter wie ich denken sich in solchen Fällen: Na, es handelt sich ja ganz offensichtlich um eine Verwechslung und die wird doch flott aus der Welt zu schaffen sein. So funktioniert aber die Bürokratie nicht. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Behörde längst bekannt war, dass die U-Boote tatsächlich U-Boote waren. Das Finanzamt Österreich hatte das Unternehmen des Betroffenen am 12. März 2026 höchstpersönlich und ganz offiziell auf eine Liste der Scheinfirmen gesetzt. Auf der hauseigenen Ministeriums-Webseite. Das ließ sich sogar googeln. Es war Treffer Nummer 1.

Trotzdem schickte das Amt fast drei Monate später einen „Vollstreckungsauftrag“ an eine Person, die mit dem Sachverhalt überhaupt nichts zu tun hatte und gab ihm zwei Wochen Zeit, die Angelegenheit, die ihn nicht betraf, in Ordnung zu bringen.

Das Vorgehen war schließlich selbst dem Finanzministerium zu peinlich. Man entschuldige sich „aufrichtig für die Unannehmlichkeiten“, heißt es in einer E-Mail. „Die Form der händischen Ergänzungen“ sei zudem „inakzeptabel und darf in Zukunft nicht mehr vorkommen.“ Verblüffenderweise bekannte das Finanzamt aber gleichzeitig etwas ein. Nämlich, das Schreiben im vollen Bewusstsein geschickt zu haben, dass es sich bei dem betroffenen Unternehmen um eine Scheinfirma handelt. Da der Betrieb aber immer noch an der betreffenden Adresse gemeldet sei, habe man formal richtig gehandelt, heißt es. Man müsse Schriftstücke auch an Firmen zustellen, von denen man weiß, dass es sie nur zum Schein gibt. Das ist eine ziemliche Pirouette.

Helmut Graf SPÖ-Klubobmann Philip Kucher macht ein Kusshändchen

In der SPÖ …

Helmut Graf SPÖ-Klubobmann Philip Kucher macht ein Herzzeichen

… sind wir jetzt alle ein Herz …

Helmut Graf SPÖ-Klubobmann Philip Kucher greift sich ans Herz

… und eine Seele

Zeit ist objektiv gesehen subjektiv. Ob etwas schnell passiert, liegt oft im Auge des Betrachters. Wenn sich jemand illegal an einer Adresse meldet und man als Betroffener per Zufall davon erfährt, kann man dagegen vorgehen. Es wird ein amtliches Verfahren eingeleitet, spätestens nach drei Monaten sollte ein U-Boot aus dem Melderegister gelöscht sein. Wenn allerdings nicht eine Person, sondern eine Scheinfirma beschließt, illegal bei ihnen einzuziehen, dann dauert die Löschung auch gut und gern zwei Jahre. Ich warne vor: Diesen Sachverhalt mit der Wirtschaftskammer zu besprechen, kann für erfüllende Tage sorgen.

Die Kammer schreibt gern Briefe. Sie macht darin allerlei Angebote, vor allem freut sie sich, dass ein neues Unternehmen gegründet wurde, wenn auch nur zum Schein. Am 20. Februar meldete Max Mustermann der WKO den illegal an seiner Adresse gemeldeten Betrieb, gegen den zu diesem Zeitpunkt bereits Betrugsermittlungen liefen. Die Kammer bedankte sich für die Information, tatsächlich wurde der Dienstleister drei Wochen später aus dem offiziellen Branchenbuch gelöscht. Kurz, denn ein paar Tage später war das Unternehmen wieder da, daran änderten auch einige Telefonate wenig.  Die Scheinfirma, die seit 12. März offiziell vom Finanzministerium als Scheinfirma gelistet wird, findet sich bis heute unter den fast 630.000 Unternehmen im Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer.

Da wollten die bisherigen Gäste der Sause nicht zurückstehen. Die OBS schickt munter weiter Vorschreibungen für den ORF-Beitrag. Das Finanzministerium, das schriftlich versichert hatte, die betreffende Adresse aus dem Verteiler zu nehmen, übermittelte am 7. Oktober das nächste Schreiben. Diesmal handelte es sich um keinen „Vollstreckungsauftrag“, sondern um einen Bescheid. Das Amt für Betrugsbekämpfung teilte mit, dass zwei Bankkonten eingefroren worden waren. Zum Glück keine von Max Mustermann.

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. Diese Woche feierte das Kabarett Simpl Premiere. Es gibt vermutlich kein Theater in Wien, an dem ich öfter vorbeigegangen bin, ohne je drinnen gewesen zu sein. Ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändern wird, insofern passt der Titel des nun gegebenen Schwanks recht gut in mein Leben: „Alles bleibt anders“.

Ich weiß nicht, ob das neue Programm für das Publikum ein Schenkelpracker ist oder eher für gütigen Applaus sorgt. Aber die Humor-Kostprobe, die Michael Niavarani vorab gab, klang vielversprechend.  „Es ist ja erstaunlich“, sagte der künstlerische Leiter des Hauses, „es gibt so wahnsinnig viel Trotteln, aber es gibt so wahnsinnig wenige, die wissen, dass sie Trotteln sind.“

Mit diesem Gedanken lasse ich Sie nun allein. Bis in einer kleinen Weile!

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