Der Schlagzeiler, Babler und die SPÖ

Ein reicher Onkel aus Amerika bietet sich einer Partei an und ein ganzes Land bekommt Schnappatmung. Die Hintergrund-Geräusche.

von Christian Nusser

04.10.2026 02:02 Uhr

Beim Geld hört sich die Freundschaft auf, da kann man noch so oft im Leben „Freundschaft“ rufen. Das zeigte sich diese Woche, als die SPÖ dem Partei-Säulenheiligen ihre Reverenz erwies, es ist nicht Andreas Babler damit gemeint. Im Wiener Gartenbaukino erlebte der Film „Der junge Kreisky“ seine Österreich-Premiere und in den blauen Sesseln im Kino saßen fast lauter Rote. Die Herzen offen, die Brieftaschen zu.

Einer im Saal hatte 100.000 Euro gespendet, damit der Streifen überhaupt das Licht der Leinwand erblicken konnte. Bei vielen anderen Vermögenden des Landes mit linker Schlagseite waren die Macher des Films vor den Dreharbeiten mit dem Ansinnen um finanzielle Unterstützung allerdings abgeblitzt. Die Knauserer sahen beim jungen Kreisky jetzt ziemlich alt aus.

Kopfnüsse | S2:EP107

Kopfnüsse 4.10.2026: Der Schlagzeiler, Babler und die SPÖ

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Am 23. November betritt Gerhard Zeiler die große Bühne. Das ist keine gewagte Prognose und Anhänger von Babler müssen auch nicht die Dienste eines Sauerstoffzeltes in Anspruch nehmen, zumindest nicht unmittelbar. Am genannten Montag erhält Gerhard Zeiler In New York den „International Emmy Directorate Award“, eine Auszeichnung fürs Lebenswerk. Die glanzvolle Gala dazu ist so eine Art Romy auf Red Bull.

Die Liste der Vorgänger liest sich, sagen wir einmal, bunt. CNN-Gründer Ted Turner findet sich unter den Preisträgern, aber auch ein Silvio Berlusconi. Die „International Academy of Television Arts & Sciences“ lädt ins New York Marriott Marquis am Times Square, ein nobler Fünfsternschuppen. Der Platinum-Tisch für zehn Personen kostet an diesem Abend fast 27.000 Dollar. Die Party dauert fünf Stunden, schließlich will man auch was haben für sein Geld.

Drei Monate vor der Preisverleihung saß Conny Bischofberger am 31. August auf der Terrasse eines Ferienhauses in Skopelos. Die griechische Insel, Luftlinie 150 Kilometer nördlich von Athen entfernt, lockt Touristen mit grünen Pinienwäldern, postkartenkitschigem, türkisen Meer und Straßenzeilen aus grellweiß blitzenden Häusern, die wirken, wie mit Fewa Wolle gewaschen.

Skopelos ist vor allem für Fans der Popgruppe ABBA ein fast religiöser Wallfahrtsort, von ähnlichem Stellenwert wie Lourdes. Schließlich wurde hier der Musikfilm „Mamma Mia“ gedreht. Die Landschaft stellte sich dafür authentisch in den Dienst der Sache, die „Villa Donna“ gibt es freilich nicht wirklich, sie wurde aus Styropor in die malerische Kulisse hineingestellt.

Helmut Graf Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) informierte über die Beschlüsse des Ministerrats

Grüß Gott, ich bin die Staatssekretärin Elisabeth Zehetner … 

Helmut Graf Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) informierte über die Beschlüsse des Ministerrats

… ich bin heut‘ ganz allein da, die anderen wollten nicht mitkommen …

Helmut Graf Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) informierte über die Beschlüsse des Ministerrats

… viel hab‘ ich eh nicht zu sagen, also „Pfiat eich“

Es ist knapp nach Mittag als Bischofberger, umgeben von Katzen und Ziegen als recht einsilbige Gesprächspartner, etwas erfährt, was ihre Aufmerksamkeit erregt. Sie liest, dass Gerhard Zeiler einen Emmy erhält, greift zum Handy und schreibt ihm eine WhatsApp. Die beiden kennen einander seit gut 40 Jahren, zu einem wirklich großen Interview aber kam es bisher noch nicht. Wie wäre es damit am Rande der Emmy-Gala in New York, schreibt sie ihm und fügt flachsend an: „Außer du gibst schon vorher deine Kandidatur zum SPÖ-Chef bekannt.“

Der Satz sollte später noch eine gewisse Relevanz erhalten und Österreich aus den Angeln heben, dafür genügt manchmal ein Windhauch. Die Bemerkung ist jedenfalls der Ausgangspunkt einer Entwicklung, die später obskure Bezeichnungen wie „Putsch“ oder „Kampagne“ erhalten sollte. Wie oft im Leben ist alles viel trivialer.

Am nächsten Tag schreibt Zeiler um 8.32 Uhr Ortszeit zurück. „Das würde ich gerne mit dir machen“, gibt er grünes Licht für das Interview und fügt drei Emojis an, alle drei zeigen „Daumen hoch“. Danach passiert zunächst etwas Alltag. Zeiler bietet ein Treffen in seiner Wohnung in Manhattan mit Blick auf Freiheitsstatue und Hudson River an, Bischofberger bucht Flüge und Hotel. Es ist alles angerichtet, nur die Zeit für den Festschmaus sollte sich noch ändern. Und der Ort. Und ein bisschen auch der Inhalt.

Dann geht plötzlich alles ruck-zuck. Am Montag, den 21. September, läutet um 13.04 Uhr unvermittelt das Handy der „Krone“-Reporterin. Zeiler ist am Apparat, er will das Interview auf diese Woche vorverlegen, fast zwei Monate vor dem eigentlichen Termin. „In New York?“, fragt sie. „Nein, ich bin in Wien“, antwortet er. Mehr verrät er nicht. „Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten, du machst es oder du machst es nicht“, sagt Bischofberger. Statt einer Antwort lacht Zeiler fröhlich ins Handy.

Drei Tage später betritt sie eine Villa in Wien-Hietzing, an der Türglocke des historischen Gebäudes steht schlicht „Zeiler“. Noch sind Bauarbeiter im Haus, aber es lässt sich schon abschätzen, dass der Medienmillionär nach seiner endgültigen Heimkehr aus den USA möglicherweise an allerlei leiden wird, Platznot gehört nicht dazu.

APA-Images, Andreas Tischler Andreas Babler gibt Gerhard Zeiler im Kino die Hand

Neulich bei Jurassic Park im Kino

Das Gespräch der beiden dauert knapp 90 Minuten, es gerät so umfangreich, dass es in drei Teile portioniert werden muss. Noch weiß niemand in der Stadt und im Land, dass Zeiler an diesem Donnerstag seinen Ambitionen die zweite oder dritte Luft verschaffen will. Er möchte den Vorsitz der SPÖ übernehmen, Andreas Babler nachfolgen, der Bewegung neuen Lebensmut geben und bietet sich der Partei an. Sie weiß wenig damit anzufangen und vielleicht drückt das am besten aus, was in der Folge passiert.

Man kann Wien viel unterstellen, eine verschwiegene Metropole ist die Stadt eher nicht. Obwohl ziemlich niemand von dem Interview wusste, wussten ziemlich schnell ziemlich viele Menschen davon. Woher auch immer. Die Drähte begannen zu glühen, so wird es gern ausgedrückt, wenn Geschwätzigkeit ausbricht. Tatsächlich ließen die Vorgänge die Drähte vollkommen kalt, viele Menschen aber nicht. Sie suchten Rat auf Draht.

Am Samstag erscheint der erste Appetithappen des Zeiler-Interviews, die Vorspeise lässt schon das gesamte Gericht erahnen: „Ja, ich will!“ Diese Zusammenfassung des Gesprächs klinge für ihn „sehr gut“, sagt Zeiler. Am Sonntag und Monat folgen in der „Krone“ Nachschläge, sie ummanteln den Hauptgang, aber das sorgt nur mehr für begleitendes Besteckklirren. In Österreich sind zu diesem Zeitpunkt längst alle Deckel von den Töpfen geflogen.

Seit über einer Woche übt sich das Land seither in Hyperventilation, dabei war nicht viel passiert. Ein Mann hatte sich hingestellt und gesagt: Die SPÖ ist momentan nicht erfolgreich. Wenn Ihr wollt, kümmere ich mich darum. Er war bei diesem Vorgang nicht bewaffnet, er hatte keine Geiseln genommen, er droht nicht einmal damit, zumindest ein paar Geheimakten aus seiner ORF-Zeit in die Luft zu sprengen. In einem zivilisierten Land hätte nun eine Debatte darüber begonnen, ob die SPÖ einen neuen Kurs braucht, wie der ausschauen könnte und ob Zeiler der richtige Mann an der Spitze sei. Nicht bei uns, statt zur Triangel greifen wir lieber gleich zum Polenböller.

Helmut Graf FPÖ-Chef Herbert Kickl mit FPÖ-Abgeordneter Susanne Fürst

Also Herbert, wenn du das mit der Nase machst …

Helmut Graf FPÖ-Chef Herbert Kickl mit FPÖ-Abgeordneter Susanne Fürst

… kann ich gar nicht mehr hinschauen

Schnell geriet alles außer Rand und Band, der simple Befund trat in den Hintergrund. Sie SPÖ segelt in den Umfragen zu Boden wie eine Daunenfeder, sachte, aber kontinuierlich. Kein Windstoß, der sie nach oben trägt, in Sicht. Statt eine stolze Volkspartei zu sein, ist die Sozialdemokratie vielmehr am besten Weg, ein Leichtgewicht zu werden. Das kann man so geschehen lassen, auch Kleinheit hat seinen Charme. Oder es wird die Gefahr gesehen, bei der nächsten Nationalratswahl hinter die Grünen abzurutschen. Bedeutungslos, aber ideologisch gefestigt.

Das alles hätte sich strategisch anpacken lassen, aber der Partei ist die Mitte abhandengekommen. Es fehlt Führung, die Personalie Zeiler legte das schonungslos offen. Was sich monatelang angebahnt hatte, trifft die Löwelstraße wie aus heiterem Himmel. Es liegt nichts bereit, um der neuen Gefahr entgegentreten zu können.

In den folgenden Tagen drängt sich ein Eindruck auf: Der Funktionärs-Kader fürchtet sich nicht so sehr vor den Ideen ihres potenziellen CEO von eigenen Gnaden, es herrscht eher Angst vor seiner Eigenständigkeit, seiner Unkontrollierbarkeit. Macht abzugeben, heißt Macht in die Hand eines anderen zu legen. Dazu scheint die Partei nicht bereit. Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Helmut Graf FPÖ-Chef Herbert Kickl mit FPÖ-Abgeordneter Susanne Fürst

O-Saft und Red Bull, das taugt mir full

Aus der SPÖ ist eine Holding geworden mit ganz vielen Ich-AGs unter sich, es wird Solidarität gepredigt, aber Eigennutz lebt. Es fehlt ihr ein Kreis aus anerkannten Persönlichkeiten, die Krisen erkennen, managen und aus Erfahrung heraus den Weg weisen. Es mangelt an Besonnenheit und Weitblick, auch für die nahe Zukunft. Die SPÖ ist in ihrem momentanen Zustand ein Flohzirkus und diese Flöhe wirken seit dem vergangenen Wochenende, als hätte man ihnen Aperol spritz intravenös verabreicht.

Das Land geriet in den Hintergrund, die SPÖ spielte „Bauer sucht Frau“ in der Politik-Edition und alle durften bei Nabelschau und Selbstzerfleischung live zuschauen. Während der Hofwoche tauchten Namen auf, verschwanden wieder oder nahmen sich selbst aus dem Spiel. Der Parteivorsitzende war schon so gut wie weg, dann wieder da, zumindest halb. Er sollte einen Teil seiner Ämter behalten. Auf Zeit oder für immer. Dann wieder nicht.

Es tat fast weh, Markus Marterbauer dabei zuzusehen, wie er sich von der eigenen Partei in ein Amt gedrängt sah, das er weder angestrebt hatte noch will. Parteiloyalität kann eine heimtückische Waffe sein, auch eine, die sich zur Selbstbeschädigung eignet. Bei allem, was ich über Krebs weiß, halte ich es für ein Wunder, dass man neben der Behandlung noch einem fordernden Beruf wie dem eines Finanzministers nachgehen kann. Die SPÖ hätte ihren aktuell beliebtesten Vertreter auf Erden frühzeitig unter Schutz stellen müssen.

Das alles erzeugte ein fatales Bild: Es zeigt eine Sozialdemokratie, die momentan keiner haben will, sie mag sich nicht einmal selbst. Sie wurde als Institution ins Dorotheum gestellt, aber niemand scheint bereit, auch nur den Rufpreis zu bieten.

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

Ich gelobe …

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

… wieso rennt der jetzt weg?

Das liegt vielleicht auch daran, dass die Partei das Pferd von der falschen Seite her aufzäumt. Statt sich bei der öffentlichen Personalsuche der Lächerlichkeit preiszugeben, wäre es angemessener gewesen, inhaltlich Einkehr zu halten. Denn auf die Frage, was die SPÖ ist, muss aktuell die Antwort lauten: „viele“. Zwischen Bund, Wien, den Ländern, dem Burgenland, der Gewerkschaft, den Jungen und den Vorfeldorganisationen passen ideologisch mehrere Parteien und das ist eines der Risiken. Die SPÖ wird in der Mitte ausgehöhlt und droht an den Rändern wegzubrechen. Linksseitig an die Grünen und an die KPÖ wie in Graz oder Berlin.

Ehe die SPÖ beginnt, weiter zu zeilern oder zu bablern, sollte sie einen Inhaltskonvent abhalten und sich dem für sie tatsächlich zukunftsrelevanten Thema stellen: Welche Programmatik verleiht uns wieder Flügel? Darüber schummelt sich die Partei seit Jahren hinweg. Sie hofft stets, dass eine neue Person an der Spitze den Job für sie erledigt. Das ist bisher nie gut ausgegangen.

In dieser Gemengelange bekam das Interview in der „Krone“ rätselhafter Weise rasch die Dimension eines Staatsstreiches. Von einer „Kampagne“ war die Rede. Dieselben Menschen, die in der Pandemie über die Dumpfheit von Verschwörungstheorien den Kopf geschüttelt hatten, begannen nun über die sozialen Medien selbst Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen. Juristen, Journalisten, Ärztinnen waren darunter, es bleibt die Hoffnung, dass sie in ihren Brotberufen akkurater arbeiten und nicht die Milz entfernen, wenn der Meniskus zwickt.

Dieselben Leute, die Faktenchecken für das Hochamt des Journalismus halten, behaupteten nun frei von der Leber weg, Babler werde „abgeschossen“, weil er die Medienlandschaft in Österreich neu durchpflügen will und manche Verlagshäuser dadurch viel Geld verlieren könnten. Das mag sein, aber die „Krone“ ist kein Opfer, sie ist Profiteur.

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

Warum genau schenk‘ ich dem jetzt einen Ruckack? …

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

… Herr Kanzler, wollen sie das Glumpert vieleicht haben?

Dieselben Leute, die behauptet hatten, die Marktmacht der „Krone“ sei so groß, dass Andreas Babler damit in den Umfragen auf 15 Prozent gedrückt wurde, behaupten nun, die Marktmacht der „Krone“ sei zu klein, um Gerhard Zeiler zum Chef der SPÖ zu machen. Da wirkt etwas unentschieden und halluziniert ein Ziel, das es zu keiner Zeit gegeben hat.

Dieselben Medien, die wegen des „Krone“-Interviews um die Zukunft des Landes gebangt hatten, holten in den darauffolgenden Tagen selbst Interviews nach, ohne um die Zukunft des Landes zu bangen. Zeiler lachte allein aus sieben Tageszeitungen heraus.

Dieselben Leute, die auf Social Media den Notstand ausgerufen und alle aufgefordert hatten, nichts mehr über Gerhard Zeiler zu posten, posteten über Gerhard Zeiler, ohne einen Notstand zu empfinden.

Dieselben Leute, die der „Krone“ eine „Kampagne“ unterstellt hatten, übersahen mutmaßlich im ORF eine Woche lang ZiB 1 und ZiB 2, die ZiB Magazine, die Radio-Journale, die Ö3-Nachrichten, „Guten Morgen Österreich“ und „Gute Nacht Österreich“, den „Report“ und den „ZiB Talk“ und „Das Gespräch“. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber was sich sagen lässt: totgeschwiegen wurde das Ereignis nicht. Und das vollkommen zurecht.

Ob der mediale Tsunami Zeiler zunutze kam, darf bezweifelt werden. Seine Partei überforderte er, sich selbst unterforderte er.  Zeiler machte ohne Zweifel grobe Fehler. Dem ersten Sternspritzer in der „Krone“ hätte ein Feuerwerk folgen müssen.  Die Webseite, in der er sich den Genossen erklärt, hätte spätestens am Montag online gehen müssen und nicht erst eine Woche nach dem ersten Aufschlag.

Es fehlte ein Programm, es gab keinen Plan A und keinen Plan B, schon gar kein „Projekt Ballhausplatz“. Was vorgelegt wurde, wirkte brav und bieder, versuchte es allen recht zu machen, markierte keinen Neuanfang und keinen Aufbruch, sondern schraubte einen neuen Kopf auf den alten Körper. Einige TV-Auftritte misslangen, nach der Vorstellung sofort wieder in die USA zu reisen, statt nach Kufstein, Wels oder Attnang-Puchheim, wirkte verpeilt. Es fehlte eine Gruppe von Persönlichkeiten, bereit ihren linken Arm für Zeiler zu opfern oder zumindest ihren Erstgeborenen nach ihm zu nennen.

Vor allem aber fehlte eines: Demut.

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

Herr Oberstabsmajorfeldwebel, es tut mir leid …

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

… abei bei Militärmusik kommt mir immer das Rean …

Helmut Graf Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Kanzler Christian Stocker bei der Feier zur Beförderung von Harald Vodosek zum Generalstabschef in der Wiener in der Maria-Theresien-Kaserne

… jetzt könntest dich langsam wieder zusammenreißen, Klaudia

Am Dienstag dieser Woche sitzt Gerhard Zeiler im Wiener Gartenbaukino, Reihe 18, neben ihm Ehefrau Alexandra. Die beiden sind zur Premiere des Films „Der junge Kreisky“ geladen, der – ohne viel über den Inhalt zu verraten – vom jungen Kreisky handelt. Andreas Babler nimmt zwei Reihen hinter Zeiler Platz, Reihe 20, fußfrei. Der aktuelle SPÖ-Parteichef wird von Finanzminister Markus Marterbauer und Justizministerin Anna Sporrer flankiert. Zu dritt ist man weniger allein.

Vor Filmstart kommt es zu einem freundlichen Handshake der beiden Kontrahenten, Babler holt weit aus, ehe er einschlägt. Beide lächeln, das Umfeld lächelt mit. Der Smalltalk erklimmt über die Grußformel hinaus keine weiteren Gipfel.

Dann schauen sich alle einen Film an, den es beinahe nicht gegeben hätte. Denn dem jungen Kreisky fehlte lange altes Geld, ein Drittel des Budgets immerhin. Das Team nahm das zunächst nicht ernst, schreibt Regisseur Harald Sicheritz im Buch zum Film. „Es gibt ja etliche vermögende Menschen im Land, die in einen Spielfilm über den jungen Bruno Kreisky (im Idealfall) eine sechsstellige Summe investieren könnten.“

Ein Irrtum, wie sich herausstellte. „Es wird mir und meinen Mitstreiter:innen für immer erstaunlich bleiben, wer alles von diesen zahlreichen – im wahrsten Sinn hochkarätigen – Leuten uns nichts gegeben hat“, wundert sich der Regisseur noch heute. Ein paar wenige greifen dann doch ins Geldbörserl, aber die meisten graben nicht tief. „Unser Dank wird ihnen ewig nachschleichen“, schreibt Sicheritz. „Mit Verbeugung nenne ich Gerhard Zeiler, der uns ohne Zögern mit 100.000 Euro unterstützt hat.“ Manchmal ist es halt doch ganz gut, wenn es in der SPÖ jemanden mit Geld gibt.

Als sich der Rauch der ersten Tage verzogen hat, schickt Conny Bischofberger einen Link zu einem Artikel der Tagespresse an Zeiler. „Titel: 71-jähriger Millionär will sich Lebensabend versauen.“ Der Mann mit dem Geld schickt wieder drei Emojis zurück. Diesmal sind es Smileys.

Nach Lage der Dinge muss er sich nicht sorgen. Die SPÖ wird ihm den Lebensabend nicht versauen.

Ich wünsche einen wunderbaren Sonntag. Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass die Kopfnüsse zurück sind, unter einer eigenen Adresse und sie gehören nun mir. Ich habe hier ein paar Zeilen darüber aufgeschrieben. Noch funktioniert nicht alles perfekt, aber vielleicht wird das zu einem Erfolgsgeheimnis. Schließlich ist in Österreich nichts so beständig wie ein Provisorium. Das könnte auch der SPÖ wieder Mut machen.

Bis in einer kleinen Weile!

Aufmacherbild: Eva Manhart/Kronen Zeitung

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