Der Gummibärli-Pakt
Zwischen positiven Schwingungen und Grammelknödeln. Das Protokoll der SPÖ-Krise und warum man die Partei nicht vorschnell abschreiben sollte.
Ich weiß, das ist mutmaßlich eine grobe Bildungslücke, aber ich habe noch keine Minute „Forsthaus Rampensau“ gesehen. Ehrlich nicht! Trotzdem weiß ich zumindest in Ansätzen, worum es dabei geht. Ein paar Menschen, die meist nicht flächendeckend bekannt sind, sich aber zumindest selbst in- und auswendig kennen, ziehen in eine Almhütte und haben dort mehr oder weniger Spaß miteinander. Sie müssen den Tag gemeinsam verbringen, zusammen essen und einige Aufgaben erfüllen. So ähnlich war es am vergangenen Sonntag auch bei der SPÖ. Ihr Forsthaus stand in der Wiener Innenstadt. Statt „Chili con Furz“ wie auf der Alm gab es Grammelknödel. Kalt!
Die letzten Tage lassen sich am besten verstehen, wenn man sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Ein dramaturgisch beschlagener Regisseur würde einen Film über die Ereignisse vermutlich mit zwei Szenen beginnen. Die eine zeigt den vermeintlichen Verlierer der Auseinandersetzung dabei, wie ihm im Wiener Konzerthaus von vielen Menschen anerkennend auf die Schulter geklopft wird. Die andere den vermeintlichen Gewinner beim Räumen seines Büros in der Löwelstraße. Beides passierte in dieser Woche zeitlich nahe und auch nur gut zwei Kilometer voneinander entfernt.
Kopfnüsse 11.10.2026: Der Gummibärli-Pakt
Wenn man von A nach B will, liegt das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz fast auf dem Weg. Der Hausherr, der offiziell die letzten Tage so tat, als ginge ihn wenig an, was in der SPÖ so passiert, ließ sich am vergangenen Sonntag zehnmal über die aktuelle Lage beim Koalitionspartner informieren. Der entscheidende Anruf ereilte Christian Stocker knapp nach 20 Uhr daheim. Andreas Babler vermeldete, dass er in der Partei sofort und als Vizekanzler später zur Seite treten wird. Die Volkspartei des Kanzlers hat mit einer solchen Situation Erfahrung. Auch Sebastian Kurz wählte vor fünf Jahren den Seitwärtsabgang, ehe ihn die internationale Finanzwelt verschlang. Oder er sie.
Was übrigblieb von den Ereignissen der vergangenen Tage ist ein Scherbenhaufen und niemand weiß momentan, ob sich da noch etwas kitten lässt. In der Partei und in der Regierung. Die SPÖ hat sich auf einen Seiltanz begeben, ein Netz zur Sicherheit existiert allein in ihrer Fantasie. Ein einzelner Absturz kann nicht nur die Zirkusnummer beenden, sondern den gesamten Zirkus, das ist das Risiko. Aber so seltsam es klingen mag: es kann auch eine Attraktion daraus werden.
Fellner live
Das Hotel Steigenberger in der Wiener City verfügt über 500 Quadratmeter Räumlichkeiten für Konferenzen. Im ersten Stock des Gebäudes in der Nähe des Innenministeriums versammelte sich am vergangenen Sonntag die Spitze der SPÖ, um über sich selbst zu reden und das in aller Ausführlichkeit. Eine Veranstaltung in diese Größe und Dichte hatte es mehrere Jahre lang nicht gegeben. Das Band der Freundschaft bestand darin, dass man sich aus der Ferne Unfreundschaftlichkeiten ausrichtete.
Am Ende des Tages stellte sich freilich heraus, dass man die falschen Leute eingeladen hatte. Nur Eva-Maria Holzleiter war zugegen, als die relevanten Jobs in der Partei neu vergeben wurden. Die Frauenministerin soll die SPÖ nun gemeinsam mit Philip Kucher managen. Der Klubobmann erfuhr am Handy, dass die Wahl auf ihn gefallen war. Auch Markus Marterbauer, der Anfang des Jahres Vizekanzler werden soll, war nur telefonisch zugeschaltet.
Die Landeschefs der Partei hatten sich vorab im Wiener Rathaus getroffen, man muss das nicht gendern, in der SPÖ liegen momentan alle regionalen Spitzenjobs in der Hand von Männern. Sogar der Vatikan hat eine höhere Frauenquote.
Die Stimmung in der Männerrunde wird von allen als fast ausgelassen beschrieben, man einigte sich schnell auf die Losung: Andreas Babler darf nicht Parteichef bleiben, Gerhard Zeiler darf nicht Parteichef werden. Wie im Leben ist es aber auch im Parteialltag oft einfacher zu sagen, was man nicht will, als was man will. Das daraus resultierende Problem wurde zum Inhaltsverzeichnis des restlichen Tages.
Am frühen Nachmittag wechselte die Männerrunde den Standort. Es ging an der wartenden Reportermenge vorbei ins Hotel Steigenberger. Nicht jedem war zum Reden zumute, Michael Ludwig schon. „Wir sind eine Partei, die aufgebaut ist auf Solidarität. Und von da her bin ich sicher, dass der Gruß Freundschaft auch nach dieser Sitzung Gültigkeit hat, in jeder Hinsicht“, sagte der Wiener Bürgermeister. Er erkannte die Ironie, setzte ein bubenhaftes Lächeln auf, hob die Hand wie am 1. Mai zum Winkegruß und entschwand im Gebäude, um der Freundschaft Leben einzuhauchen, indem ein politisches Leben ausgehaucht wurde.
Evi, willst nicht du was sagen? …
… Philip, wir brauchen jetzt einen Kampfruf …
… kein Problem: „Lei, Lei!“
Das Hotel Steigenberger gehört heute dem chinesischen Hotelkonzern Huazhu. Früher vereinte das 1913 errichtete Gebäude zwei Institutionen, wie es sie vielleicht nur in Wien unter einem Dach geben kann: unten Kaffeehaus, oben Schule. Im ebenerdigen Café Herrenhof verkehrten Literaten wie Robert Musil, Joseph Roth und Franz Werfel, in den höheren Etagen befand sich die Reformschule der Pädagogin Eugenie Schwarzwald, dem ersten Mädchenrealgymnasium in Wien mit Lehrern wie Oskar Kokoschka oder Adolf Loos. Da kann heutzutage nicht jede Schule mithalten, vorsichtig ausgedrückt.
Die Vergangenheit sollte später noch eine Rolle spielen. Als nämlich die Schlacht geschlagen war und eine Art Ergebnis vorlag, machte eine Teilnehmerin eine interessante Bemerkung. Vielleicht hätten die positiven Schwingungen von Eugenie Schwarzwald in den Räumen das ihre zum Gelingen des Kompromisses beigetragen. Wissenschaftlich lässt sich der Spuk nicht belegen, das Gegenteil allerdings auch nicht.
Der Wiener Kongress der SPÖ zog sich über fünf Stunden, es war eine zum Teil merkwürdige Veranstaltung. Die Beletage im „Steigenberger“ umfasst ein Konferenzzimmer und fünf kleinere Räume anbei. In großen Runden und in kleinen Gruppen wurde abwechselnd nach einer Lösung des anstehenden Problems gesucht. Das bestand vereinfacht vor allem darin, dass der Großteil der Beteiligten den aktuellen Vorsitzenden gerne im Galopp verloren hätte, der aktuelle Vorsitzende aber lieber im Sattel sitzenbleiben wollte. Es war Voltigieren auf einem lahmen Gaul.
Auf dem Gang warteten nicht die obligaten Würstel auf Publikum, sondern es gammelten vegane Grammelknödel vor sich hin, um mit der Zeit vollständig zu erkalten. Dazu gab es Snacks, Obst und diverse Mehlspeisen, sie alle verbrachten einen recht einsamen Nachmittag. Niemanden war nach Essen, einige waren ohnehin angespeist. Kaffee und Wasser drinnen gingen besser, vor allem aber Gummibärli, Eva-Maria Holzleitners Geheimwaffe für Verhandlungen. Sie schwört auf ihre völkerverbindende Kraft.
Fertig zum Duell
Andreas Babler wehrte sich aus Leibeskräften gegen seine Absetzung, manche sagten im Nachgang, er habe die Anwesenden erpresst. Das geltende Statut schränkte die Handlungsfreiheit der Parteispitze ein, ohne Mitarbeit des Betroffenen war keine Lösung möglich. Also musste ein Ausweg gefunden werden, um den aktuellen Parteivorsitzenden vor die Tür zu setzen, ohne dass es so ausschaut. Und ohne, dass er viel davon mitbekommt. Das gelang, vielleicht erklärt das auch die Fröhlichkeit und die Euphorie, mit der die Oberhäupter der Partei nach der Marathon-Sitzung an die Öffentlichkeit traten. Diese Öffentlichkeit ließ sich davon allerdings nicht anstecken. Sogar die Wohlmeinendsten dachten eher, im „Steigenberger“ wären statt Grammelknödel ein paar illegale Rauchwaren gereicht worden.
Von nicht gekannter Einigkeit und einem neuen Geist war die Rede, der ominöse Strang, an dem jetzt alle gemeinsam ziehen, wurde häufig bemüht. Oberösterreichs SPÖ-Landeschef Martin Winkler sah einen Neustart, Niko Kowall aus dem Babler-Fanteam sprach von einem „Hotelzimmerschwur“. Die Landeshauptleute gelobten verbale Zurückhaltung. Wer sie kennt, weiß, das kommt einem „Hotelzimmerschwur“ recht nahe.
Nüchtern betrachtet war Folgendes passiert: Zwei Personen, die sich bis zur entscheidenden Sitzung mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hatten, wurden zu neuen Parteichefs bestimmt. Ein Mann, der sich bis zur entscheidenden Sitzung mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hatte, wurde als neuer Vizekanzler designiert. Vielleicht wird er zusätzlich auch Parteichef, vielleicht aber auch nicht.
Die beiden neuen Chefs wollen den Job nur auf Zeit machen, was eine seltsame Optik ergibt: Eine Partei, die Wähler für sich begeistern will, findet in den eigenen Reihen niemanden, der sich so für sie begeistert, dass er die Tanzkapelle leiten will. Der künftige Vizekanzler, der vielleicht auch Parteichef wird, oder auch nicht, ist momentan erheblich erkrankt. Wenn er Anfang des Jahres keines der Ämter antreten kann, hat die SPÖ keinen Plan B. Vielleicht meldet sich dann Andreas Babler wieder und opfert sich.
Du, Evi, hast g’hört, wir übernehmen jetzt die Partei …
… Philip, du immer mit deine Witze …
… aber schön wär‘ das mit dir schon
Das Kauderwelsch war der Bevölkerung nicht gut verkaufbar. Das lag auch daran, dass der aktuelle Parteichef weiterhin Minister bleiben möchte, was eventuell auch einen finanziellen Hintergrund haben könnte. Jedenfalls sagte er, dass sein Verbleib auch der Wunsch von Markus Marterbauer sei. Marterbauer wiederum wollte nicht bestätigen, diesen Wunsch schon gehabt zu haben.
Parteichef ist Andreas Babler noch, wenn auch nur mehr auf dem Papier, aber das immerhin noch für sechs Monate. Sein Büro hat er in dieser Woche zur Sicherheit schon einmal ausgeräumt, Kucher und Holzleitner übernahmen. Bablers „Bewährungshelfer“, wie „Kurier“-Karikaturist Michael Pammesberger die beiden nannte, fallen der Partei finanziell nicht weiter zur Last, sie üben die Funktion nebenberuflich und kostenlos aus.
Die Turbulenzen gingen an der SPÖ nicht spurlos vorüber. In aktuellen Umfragen sackte die Partei auf 12 bis 13 Prozent ab und wurde von den Grünen überholt. Es handelt sich natürlich nur um eine Momentaufnahme, die Vorgänge scheinen die Menschen aber nachhaltig erschreckt zu haben. Viele werden sich wohl fragen, wie eine Partei ein Land führen will, die nicht einmal den eigenen Laden im Griff hat.
Dieses Bild beschränkt sich freilich nicht auf die Sozialdemokratie allein, es hat längst die gesamte Regierung in einen neuen Rahmen gesetzt. Denn die SPÖ zieht nicht nur sich selbst nach unten, sondern auch ihre Koalitionspartner. Der Kanzler hat dadurch ein doppeltes Problem an der Backe. In seiner Partei bekommen jetzt jene Oberwasser, die Richtung FPÖ schielen und mit einer Neuwahl die Flucht nach vorne antreten wollen. Christian Stocker selbst ist kein Fan der Wahlidee, traut sich aber nicht, das in der gebotenen Deutlichkeit zu sagen.
Der Kanzler will sich später nämlich nicht vorwerfen lassen, das Momentum verpasst zu haben. Eine SPÖ am Boden, ohne einen potenziellen Spitzenkandidaten, ist ein leichterer Gegner als ein Markus Marterbauer, dem im Frühling ein paar mehr Herzen zufliegen als seinem Vorgänger. Zumindest dieses Ziel scheint gut erreichbar.
Ah, da vorne gibt’s die Grammelknödel
Deswegen testet die Volkspartei in Tateinheit mit den Neos derzeit Schmerzgrenzen aus, manches wirkt schon wie ein Vorwahlkampf. Gegen Ende der Woche stellten der ÖVP-Wirtschaftsminister und danach die Neos-Parteichefin die Paketsteuer zur Disposition, die vom selben Personenkreis eben eingeführt worden war. Wie zufällig tauchte zudem die Idee auf, die Flugabgabe zu reduzieren oder gleich ganz abzuschaffen. Alles Materien, die den Finanzminister direkt betreffen. Die Regierungspartner der SPÖ justieren ihr Visier neu.
Die Roten werden schnell in die Hufe kommen müssen, aber so verrückt das auch klingen mag, die aktuelle Krise könnte für sie sogar ein Glücksfall sein. 12 Prozent sind für eine ehemalige Großpartei ein Schockmoment. Wer jetzt das Kracherl nicht hört, sollte einen HNO-Termin buchen. Ein solcher Zustand, der ein Zustand ist, kann mobilisieren.
Mit Eva-Maria „Gummibärli“ Holzleitner und Philip „Lei Lei“ Kucher ist die Löwelstraße personell nun angemessener aufgestellt. Beide wirken frisch, leutselig, haben einen Draht zu den Ländern, weil sie selbst von dort kommen. Der kamote Kampel aus Kärnten und die Oberösterreicherin – mit der nötigen Härte eine Art Doris Bures light – das könnte funktionieren. Die beiden werden die SPÖ öffnen müssen, breiter aufstellen, mit klarer Linie, aber weniger dogmatischer Aufladung. Eine Garantie auf Erfolg gibt es nicht.
Inhaltlich verbleibt der Partei als einzige Möglichkeit, sich zu einer Anti-FPÖ-Maschine zu entwickeln und klarzustellen: Wer Kickl nicht als Kanzler will, muss SPÖ wählen. Wenn die Roten dieses Thema aus den Augen verlieren, rinnen sie weiter Richtung Grüne aus.
Die Erneuerung muss auch den neuen Mann an der Spitze umfassen. Marterbauer sollte sein Team umbauen, um dem Neustart eine Symbolik zu verleihen. Was bisher als bestes SPÖ-Team aller Zeiten vermarktet wurde, hat deutliche personelle Schwächen. Marterbauer muss klarstellen, dass Babler nicht weiter Minister sein kann. Es wäre klug, Rebellen einzubinden, auch auf Christian Kern und Gerhard Zeiler zugehen. Warum den Medienmanager von Weltformat nicht zum Medienminister der kleinen Welt Österreich machen? Wenn Marterbauer erfolgreich sein will, wird er überraschen müssen. Wenn er das schafft, würde ich die SPÖ nicht vorschnell abschreiben.
Wahrlich, ich sagen Euch …
… So jung kumma nimma zaum
Den Donnerstagabend dieser Woche verbrachte Gerhard Zeiler im Wiener Konzerthaus. Er war Gast eines Charity-Dinners, saß am Tisch von Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam und hatte eine gute Zeit. Zeiler war am Tag davor aus New York eingeflogen. Noch aus den USA heraus hatte er seine zehntägige Karriere als Parteivorsitz-Kandidat der SPÖ auf Eis gelegt, wieder einer, der in Österreich zur Seite trat. Er wünsche Markus Marterbauer aus ganzem Herzen viel Glück, sagte der 71-Jährige in einem Video auf seinem neuen Instagram-Kanal, an dem er eine Freude zu haben scheint wie ein junger Pudel.
Das kommt nicht von ungefähr. Zwei Tage davor war einer der größten Mediengeschäfte der USA-Geschichte über die Bühne gegangen, „Paramount Skydance“ verleibte sich für schlappe 110 Milliarden Dollar den Mitbewerber „Warner Bros Discovery“ (WBD) ein. Der Vorgang machte ein paar Reiche noch etwas reicher, allein der goldene Fallschirm, der für Warner-CEO David Zaslav aufgespannt wurde, ist laut US-Medien 606 Millionen Dollar schwer. Dafür darf er zwei Jahre lang bei keinem Konkurrenz-Unternehmen arbeiten. Es gibt schlimmere Rucksäcke im Leben, die geschultert werden müssen.
Das internationale Geschäft von Warner lag bis Dienstag dieser Woche in den Händen von Gerhard Zeiler und auch hier gab es ein Ende ohne Schrecken. Der Ausstieg bei Warner dürfte ihm über 100 Millionen Dollar eingebracht haben. Ganz genau lässt sich das nicht berechnen, weil sich die Summe aus mehreren Positionen zusammensetzt, darunter eine Abfindung, Sonderzahlungen, ein Transaktionsbonus und Aktienverkäufe.
Zeiler hatte in den vergangenen Jahren etwa die Hälfte seines Jahresentgelts von 14,6 Millionen Dollar in Form von Aktienoptionen erhalten, die er nun in Tranchen zu Geld machen konnte. Der Vorgang läuft transparent ab. Alle Käufe und Verkäufe sind auf Formblatt 4s der US-Börsenaufsicht SEC öffentlich einsehbar. Der Hollywood Reporter errechnete allein aus den Aktien-Deals einen Erlös von 92 Millionen Dollar für Zeiler. Das darf auch Finanzminister Markus Marterbauer freuen. Der gebürtige Wiener versteuert sein Geld nicht nur in den USA und Großbritannien, sondern seit jeher auch in Österreich.
Beim Abschied vom Messi war es auch nicht viel ärger
Ob er die Pläne für eine Politikerkarriere in seinem Heimatland endgültig aufgegeben hat, ist offen. Er werde es sich jedenfalls nicht nehmen lassen, beständig auf die notwendigen Lösungen hinzuweisen, die Österreich und die SPÖ benötigen, damit wir nicht gegen die Wand fahren“, kündigte er im Video an. Den Nachsatz, „Sie werden von mir in den nächsten Wochen und Monaten hören,“ werden manche in der SPÖ als gefährliche Drohung empfunden haben. Ein Doskozil reicht.
Im Konzerthaus war Zeiler jedenfalls ein gefragter Mann. Die 400 geladenen Gäste delektierten sich an geschmorten Rindsbackerln, das Akustik-Duo „Die Strottern“ steuerte Wiener Liedgut bei. Viele bedankten sich bei Zeiler für sein Engagement, beeilten sich aber anzufügen: „Seien Sie froh, dass daraus nichts geworden ist“.
„Na, du Abenteurer“, begrüßte ihn Josef Ostermayer, der frühere SPÖ-Kulturminister ist nun Präsident des Konzerthauses. „So ändern sich die Zeiten, Josef“, warf Tischherr Wolfgang Rosam ein, „früher hättest du noch mit Freundschaft gegrüßt.“
Ich wünsche einen freundschaftlich wunderbaren Sonntag. Die SPÖ ist so hyperaktiv, dass ich nie dazu komme, die Geschichten zu schreiben, die ich eigentlich geplant hatte. Nächste Woche erzähle ich Ihnen vielleicht ein paar Neuigkeiten zum Meldepfusch bei der ID Austria. Außer eine Partei verspürt wieder Lust, ihren Chef in die Wüste zu schicken, ohne selbst ein Feuchtgebiet zu sein.
Aufmacherbild Helmut Graf