Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt.
Heinz Erhardt
Der Blog hier hat ein Vorleben. Über den Daumen gerechnet sind über die vergangenen sechseinhalb Jahre 400, vielleicht 500 Kopfnüsse entstanden, einige gelte als verschollen. Dann war fast vier Monate Pause. Nun gibt es ein Comeback, ein zweites Leben, die zweite Luft. Das steckt dahinter:
Wie alles begann
Die Kopfnüsse gibt es seit Jänner 2020. Sie sind aus einer Laune heraus entstanden. Ich hatte an der Reaktion auf einige Artikel gemerkt, etwa über einen Energetiker, der für 95.000 Euro einen Energiekreis um ein Wiener Krankenhaus zog, oder über die Chinareise von Bundespräsident, Kanzler und der größten Delegation aller Zeiten: Satire wird recht gern gelesen, es existiert also so etwas wie eine Nachfrage. Dann kam Corona.
Welche Rolle die Pandemie spielte
Etwas mehr als zwei Monate nach dem Start hatten wir den ersten Lockdown, die
Schulen sperrten zu, viele saßen daheim, waren ratlos und verängstigt. Die
Kopfnüsse erschienen in dieser Zeit täglich, fünfmal in der Woche. Sie setzten sich
mit den Maßnahmen der Regierung auseinander, nicht unter der Nutzung eines
Vorschlaghammers, sondern eben mit Ironie. Für einige Menschen wurde die
Kolumne zum Wegbegleiter durch die schwere Zeit. Die Kopfnüsse versuchten, den Tag
aufzuhellen.
Was die Kopfnüsse heute sind
Corona verschwand langsam aus unserem Alltag, die Kopfnüsse blieben. Sie suchten sich den Sonntag als Erscheinungstag aus, oder der Sonntag sie. Da ist Zeit zum Lesen, zum Hören des Podcasts, der seit der Nationalratswahl 2024 von meiner KI-Stimme gesprochen wird. Das gab es zu diesem Zeitpunkt in Österreich noch nicht. Mein KI-Kumpel sorgt für sprachliche Hoppalas, er betont manches falsch, klingt zuweilen blechern und macht Dinge, für die es keine Erklärung gibt. Nicht alle mögen das, aber die künstlich intelligente Stimme garantiert dafür, dass an den Sonntagen des Jahres sofort ein Podcast verfügbar ist.
Was jetzt alles neu ist
Ab sofort haben die Kopfnüsse eine neue Heimat. Sie gehören nun mir, ganz privat, und das hier ist ihr frisch eingerichteter Streichelzoo. Die Kopfnüsse sind jetzt wieder mein Hobby, als das waren sie beim Beginn 2020 auch gedacht. Es ist eine Rückführung, eine Séance mit mir selbst, eine Remigration im guten Sinn, wenn man so will. Am Angebot ändert sich nichts. Es gibt weiterhin an Sonntagen eine Kopfnuss, und zusätzlich dazwischen, wenn es sein muss. Der Newsletter ist geblieben, alle Podcasts der vergangenen zwei Jahre sind hier anzuhören.
Wie es dazu kam
Ich hatte ein paar Flausen im Kopf und die habe ich an Carsten Barg herangetragen, den ich seit längerer Zeit kenne. Glück für mich: Er macht das beruflich, Design und die Umsetzung von Webseiten, den ganzen technischen Kram also, für mich unentdeckte Welten. Mit seiner Firma prettylogic und einem Team, verstreut über die halbe Welt, hat Carsten mein Kopfkino zum Leben erweckt. Ich hoffe, das Ergebnis gefällt.
Ob Ernstes unterhaltsam sein darf
Politik produziert genügend Absurditäten ganz von selbst. Manchmal hilft deshalb ein wenig Ironie, um einen Sachverhalt genauer zu treffen als mit zehn strengen Absätzen. Das ist schlicht das Konzept der Kopfnüsse. Wer Politik lange beobachtet, weiß: Interessant ist oft nicht nur, was gesagt wird, sondern warum und wie es gerade jetzt gesagt wird – und was dabei lieber unerwähnt bleibt. Genau dahin schaue ich.
Wohin das alles führt
Keine Ahnung. Ich habe mir gedacht, ich fange einfach einmal an. Wie sich das zeitlich ausgehen soll? Ob das auf Dauer finanzierbar ist? Ob das überhaupt noch jemand lesen will? Die Antworten auf diese Fragen werden sich ergeben. Oder auch nicht. Jedenfalls: Manchmal muss einfach eine Kopfnuss sein. Damit uns nicht der Kragen platzt. Und mir auch nicht.
Und wer zum Teifi is der Typ, der des schreibt?
Christian Nusser
Journalist. Politischer Beobachter. Und jemand, dessen liebste sportliche Betätigung inzwischen das Augenzwinkern ist.

Ich bin seit über vier Jahrzehnten Journalist. In dieser Zeit habe ich Zeitungen, Magazine, Webportale mitentwickelt und geführt, CDs produziert, Pilot-Sendungen fürs Fernsehen gestaltet, Bücher geschrieben, für andere und mich selbst. Ich war Radio-Programmchef und durfte bei mittlerweile fünf österreichischen Tageszeitungen arbeiten.
Meine heimliche Leidenschaft gilt der Beobachtung der österreichischen Politiklandschaft. Mit ein paar Federstrichen Abläufe sichtbar machen, Menschen karikieren, ohne sie bewusst zu verletzen, Vorgängen Luft zu verschaffen und sie dem Sonnenlicht auszusetzen, darum geht es mir.
Ich hoffe, Sie sind bei diesem Abenteuer weiter dabei.